Neuruppin – Die ab Juli 2015 geplante höhere Mehrwertsteuer von 19 Prozent für Bäderbetreiber wird in Neuruppin wohl nicht sofort zu höheren Saunapreisen führen. „Wir werden vor Oktober 2015 nichts tun“, sagt Martina
Jeschke, Geschäftsführerin des Resorts Mark Brandenburg, zu der die Fontane-Therme mit ihrer Saunalandschaft gehört. Die Therme kalkuliert Kosten und Preise alle zwei Jahre neu. Die letzte Preisanpassung gab es im Oktober 2013. „Wir hoffen noch auf einen Aufschrei gegen die höhere Mehrwertsteuer“, sagt die Hotelchefin. Schließlich stärkten Saunagänge
das Immunsystem des Menschen. Deshalb dürfte eigentlich gar keine Mehrwertsteuer erhoben werden, so Jeschke. Das sieht Bärbel Kaatzsch, Betreiberin des Sportcenters in Neuruppin, ähnlich. „Die Menschen leiden weniger unter Erkältungskrankheiten, wenn sie regelmäßig in die Sauna gehen.“ Kaatzsch findet die Auslegung des Bundesfinanzhofes „merkwürdig“. Dieser hatte bereits 2005 entschieden,
dass Saunagänge nicht gesundheitsfördernd sind, sondern lediglich der Förderung des allgemeinen Wohlbefindens dienen. Das rechtfertigt aus Sicht des höchsten deutschen Finanzgerichts aber nicht den geminderten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. „Dieser war eigentlich nur für
grundlegende Nahrungsmittel gedacht“, sagt der Neuruppiner CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke. Für den Juristen, der nur gelegentlich mal in die Sauna geht, handelt es sich deshalb auch nicht um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, sondern lediglich um „das Umsetzen der Gesetzeslage“.
Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Ziegler aus Lenzen (Prignitz) zeigt Verständnis für die Neuregelung. „Bei Saunagängen
handelt es sich nicht um Gesundheitsmaßnahmen, die vom Arzt verschrieben sind.“ Zudem müssten Fitnessstudios auch 19 Prozent Mehrwertsteuer an den Fiskus abtreten. Ziegler, die sich regelmäßig eine Auszeit in ihrer Infrarotkabine zu Hause gönnt, hat Verständnis dafür, dass die höhere Mehrwertsteuer bei den Saunabetrieben und den Saunagängern
„keine Freude auslöst“. Die einstige Sozialministerin von Brandenburg plädiert jedoch dafür, die Jahre zwischen dem Urteil des Bundesfinanzhofes
und dessen Umsetzen, als gewonnene Zeit zu sehen. Zudem würden die Krankenkassen die Kosten für die Saunagänge übernehmen, wenn diese
doch vom Arzt verordnet werden. Deutliche Worte hat indes die
Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann (Linke) aus Tornow bei Kyritz für die höhere Mehrwertsteuer. „Ich finde das Quatsch.“ Schließlich sei die
Sauna kein reines Wellnessvergnügen, sondern entlaste die Krankenkassen und die Arbeitgeber, wenn die Beschäftigten weniger krank sind. Auch das Argument, dass die niedrige Mehrwertsteuer nur für die
grundlegendsten Dinge geplant war, lässt die leidenschaftliche
Saunagängerin Tackmann nicht gelten. „Dann sollten eher die Seilbahnbetreiber wieder 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen.“ Diese
müssen nur sieben Prozent abtreten. Tackmann findet die Mehrwertsteuer
generell reformbedürftig. „Das ist die ungerechteste Steuer, weil sie alle Leute bezahlen müssen. Unabhängig davon, wie viel sie verdienen.“ Die Linke drängt deshalb auf eine Reform – und auf eine Reichensteuer.