Neuruppin – Die Tage der beliebten Umweltbegegnungsstätte in Zippelsförde sind gezählt. Nach MAZ-Informationen hat der Aufsichtsrat
der Pro-Klinik-Holding bereits beschlossen, dass die Gesundheitszentrum
Neuruppin GmbH, eine Tochter der Ruppiner Kliniken und Eigentümerin der Begegnungsstätte, das Areal im Grünen nicht länger betreibt. Das heißt nichts anderes, als dass die Begegnungsstätte verkauft werden soll.
Kreistagsabgeordnete aus allen Fraktionen waren gestern überrascht von der Nachricht. Schließlich hatten der Rheinsberger Freke Over (Linke) und die Neuruppinerin Hannelore Gußmann (SPD) beim Kreistag im September
gefordert, dass die Begegnungsstätte erhalten bleiben und deshalb nach einem anderen Bewirtschaftungskonzept gesucht werden soll. Derzeit schreibt Zippelsförde jährlich Miese von mehreren 10 000 Euro. Zudem hätte in die alten Gemäuer investiert werden müssen. „Wir wollten die genauen
Zahlen zur Auslastung und zu den Kosten im Fachausschuss diskutieren“, sagt CDU-Fraktionschef Sebastian Steineke. „Die Begegnungsstätte ist
wichtig für die Region. Wenn sie jetzt geschlossen wird, dann wohl für
immer“, befürchtet Gerd Klier, Fraktionschef der Linken. Das wolle die Linke verhindern – aber nicht um jeden Preis. „Die Begegnungsstätte muss finanzierbar sein“, so Klier. Darauf setzt ebenfalls Wolfgang Freese, Chef der Bündnisgrünen im Kreistag. „Die Übernachtung- und Nutzungszahlen sind nach unseren Erkenntnissen in den vergangenen drei Jahren gestiegen.“
Das werde mit der Entscheidung des Aufsichtsrates ignoriert. Freese findet es „mehr als fragwürdig“, wenn der Landrat als Gesellschafter der Pro-Klinik-Holding den Kreistag nicht mal fragt, ob die Begegnungsstätte
geschlossen werden soll.
Die Bündnisgrünen bereiten einen Antrag für den Kreistag am 4. Dezember vor. „Wir wollen einen aktuellen Sachstandsbericht zu Zippelsförde“, so Freese. Ziel sei, das Bildungsangebot dort zu erhalten. „Es ist seit Jahren ein wichtiges Projekt in der Region“, betont Freese. Indes glaubt Ralph
Bormann, Chef der bunten Fraktion aus Bauern, freien Wählern und FDP, dass das Staatliche Schulamt eine Mitschuld am Scheitern der Begegnungsstätte trägt. „So lange das Schulamt das Projekt nur halbherzig unterstützt, wird es unheimlich schwer, die Begegnungsstätte zu halten.“ Das Schulamt hatte zwar zwei Lehrer für Zippelsförde abgestellt, die sich eine Stelle teilten. Doch
ausgerechnet im Sommer waren die Pädagogen kaum vor Ort: Sie hatten Sommerferien. Dabei ist erfahrungsgemäß die Nachfrage gerade in den sechs Ferienwochen nach Quartieren im Grünen für Kinder besonders groß. Landrat Ralf Reinhardt war gestern Nachmittag für keine Stellungnahme zu erreichen.