Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
17.02.2018, 14:19 Uhr | MAZ - Ruppiner Tageblatt 17.2.2018 / Andreas Vogel

Angst in Neustadt, Freude in Neuruppin
Die Pläne des Kreises für die Förderschulen sind umstritten – das einstige Gebäude der LEB soll neue Außenstelle der Schule am Kastaniensteg werden

Neuruppin. In Neustadt geht die Angst um, die Angst um das Sterben auf Raten der vier Förderschulklassen an der Grundschule. Seit 1993 werden in Neustadt Mädchen und Jungen unterrichtet, die Probleme bei ihrer geistigen Entwicklung zeigen. Ähnliche Schulen gibt es in Neuruppin und Wittstock. Doch während deren Zukunft sicher scheint, sieht es für die Neustädter
Förderschulklassen düster aus. Grund: Die Einrichtung müsste dringend saniert und erweitert werden. Denn die Räume waren ursprünglich für maximal 24 Schüler vorgesehen – derzeit werden dort jedoch 35 Mädchen und Jungen unterrichtet. Das Amt Neustadt als Träger der Grundschule will diese zwar jetzt sanieren, doch für die Räume der Förderschulklassen bekommt das Amt keine Zuschüsse: Eine derartige Integration von Förderschulklassen in Grundschulen ist im Dschungel der Vorschriften im Land nicht vorgesehen – trotz der ständigen Ermahnungen, Kinder mit Defiziten möglichst in den normalen Alltag zu integrieren. Das Amt Neustadt hat deshalb beschlossen, die Trägerschaft für die vier Förderschulklassen zum August 2018 an den Landkreis abzugeben. Eigentlich soll sich dadurch für die Schüler nichts ändern. Sie werden weiterhin in Neustadt beschult, allerdings wird es wegen des Platzmangels keine neuen Einschulungen geben. Stattdessen werden
Mädchen und Jungen aus dem Altkreis Kyritz, für die eine derartige
Förderschule vorgesehen ist, in Wittstock und Neuruppin unterrichtet werden müssen. Das stößt auf Ablehnung. „Die langen Fahrwege sind gerade für die jüngsten Schüler nicht günstig“, sagte Karsten Mohnke, sachkundiger Einwohner aus Flecken Zechlin, am Donnerstag beim Bildungsausschuss des Kreistages. CDU-Abgeordneter Sebastian Steineke sieht die Gefahr eines
Sterbens auf Raten der Förderschulklassen in Neustadt, wenn dort nicht mehr eingeschult wird. Deshalb sollte der Kreistag beschließen, dass alle drei Standorte erhalten bleiben, sagte Wolfgang Freese (Bündnisgrüne). Diesem Vorschlag stimmte der Ausschuss zur Erleichterung der gut einem Dutzend Eltern zu, die aufmerksam die Sitzung verfolgten. Ihre Angst, dass in Neustadt nur noch eine begrenzte Zeit Förderschulklassen existieren werden, ist mit einem solchen Beschluss aber nicht ausgeräumt. Denn der Landkreis will die Förderschulen in Wittstock und Neuruppin – die Mosaikschule und die Schule am Kastaniensteg – erweitern. Dort gibt es ähnliche Engpässe wie in Neustadt, jedoch sind die Verhältnisse aus Behördensicht weniger kompliziert: Es sind separate Förderschulen, für die der Kreis zudem seit Jahren der Träger ist. Die Angst der Eltern und Lokalpolitiker wird befördert, weil die vier Neustädter Klassen künftig zur Neuruppiner Förderschule als eine Art Außenstelle gehören werden, und zwar mit dem Übergang zum Kreis als Träger. Die bange Frage ist deshalb, ob der Landkreis den Standort in Neustadt wirklich festhalten wird. Immerhin soll die Kapazität an der Wittstocker Mosaikschule von 67 auf 80 Schüler und die der Kastanienschule in Neuruppin von 80 auf 120 Schüler erhöht werden. In Wittstock soll bis zum Jahr 2020 ein Anbau an der Mosaikschule entstehen; die Schule am Kastaniensteg in Neuruppin soll bereits ab dem nächsten Jahr das einstige
LEB-Gebäude an der Alt Ruppiner Allee nutzen können, das zuvor nur noch etwas umgebaut werden muss. Katrin Wind, die Leiterin der Förderschule am Kastaniensteg, zeigte sich begeistert von den Plänen. Verfügt doch das LEB-Gebäude, das der Kreis eigentlich erworben hatte, um dort Flüchtlinge
unterbringen zu können, sogar über einen Fahrstuhl. „Das ist eine tolle Sache“, so Wind. Amtsleiterin Anke Somschor versuchte indes vergeblich die Angst zu zerstreuen, dass die Erweiterungen in Wittstock und Neuruppin
automatisch das Aus für den Standort Neustadt bedeuten. Denn eine Garantie dafür, dass alle jetzigen Schüler in Neustadt auch dort bis 2027 ihre Schulausbildung beenden können werden, konnte Somschor nicht geben.