Neuruppin/Ostprignitz-Ruppin (RA) Während Leute über 18 Jahre am Sonntag mitentscheiden durften, wer in den Bundestag einzieht, haben bundesweit
rund eine Million Schüler das Wählen geübt. Auch Schulen in Neuruppin und im Landkreis haben an der Juniorwahl teilgenommen. Die CDU ist auch bei den Schülern die beliebteste Partei. Das zeigt das Ergebnis der Juniorwahl, das am Sonntag parallel zu den ersten Hochrechnungen zur Bundestagswahl
veröffentlicht wurde. Die im Landkreis an dem Projekt teilnehmenden Schüler hatten, wählten mehrheitlich die Partei von Kanzlerin Angela Merkel. Allein in Neuruppin nahmen knapp 1 700 Schüler an dem Projekt zur politischen Bildung teil und organisierten nach einer Vorbereitung im Unterricht einen
originalgetreuen Wahlakt. In der Fontanestadt hatten sich mit dem Evangelischen Gymnasium, dem Schinkelgymnasium, der Montessori-Oberschule und dem Oberstufenzentrum Ostprignitz-Ruppin vier weiterführende Schulen zur Juniorwahl angemeldet. An der Karl-Liebknecht-
Schule probten die Sechstklässler den Urnengang. Und auch wenn die Wahlbeteiligung bei dieser Bundestagswahl ordentlich zugelegt hat, scheint
die Jugend dennoch mehr Bock auf Demokratie zu haben: Bei der Juniorwahl haben bundesweit 83,1 Prozent der Wahlberechtigten ihren Wahlschein ausgefüllt. Das Evangelische Gymnasium Neuruppin reiht sich mit 82,1 Prozent Wahlbeteiligung (500 von 609 Wahlberechtigten haben abgestimmt) gut ein. Die Karl-Liebknecht-Schule verzeichnete gar 100 Prozent Wahlbeteiligung: Dort warfen alle angemeldeten 78 Schüler ihre Wahlzettel
in die Urne. Bundesweit waren insgesamt rund 960 000 Schüler stimmberechtigt (siehe Grafik) – soviel wie noch nie bei einer Juniorwahl. Bei den Teilnehmern der Juniorwahl sind CDU und SPD die beiden stärksten Parteien. CDU Direktkandidat Sebastian Steineke ist bei der Wahlsimulation
sogar noch beliebter als bei der „echten“ Wahl. 38,7 Prozent der Ostprignitz-Ruppiner Juniorwähler stimmten für den Mandatsinhaber.
Abgesehen davon sieht die Verteilung der Stimmen aber anders aus. Mehr Juniorwähler haben ihr Kreuz bei den Grünen gemacht. Martin Wandrey konnte im Wahlkreis ganze 13, 1 Prozent der Stimmen für sich verbuchen – rund zehn Prozent mehr als bei den tatsächlich Wahlberechtigten. Auch bundesweit liegen die Grünen bei der Juniorwahl weiter vorne als bei der Bundestagswahl. Die AfD hat bei den Jugendlichen keinen so großen Stein im Brett wie bei den erwachsenen Wählern. Die Juniorwahl-Teilnehmer aus dem Landkreis haben mit 7, 2 Prozent der Erststimmen für die AfD gestimmt. Auch auf Bundesebene bekam die Partei weniger als die Hälfte derjenigen Stimmen, die sie bei der „echten“ Bundestagswahl erhielt. Dafür entfielen insgesamt mehr Stimmen auf kleinere Parteien als bei der offiziellen Wahl. Die Juniorwahl wurde vom Berliner Verein Kumulus initiiert. Vorbild war das „Kids Voting“ in den USA. Die erste Juniorwahl fand 1999 parallel zur Abgeordnetenhauswahl in Berlin statt. Seither können Schüler zu Landtags-, Bundestags und Europawahlen abstimmen. Auch zahlreiche Deutsche Auslandsschulen sind regelmäßig mit dabei. Die Juniorwahl 2017 steht unter der Schirmherrschaft des Präsidenten des Deutschen Bundestags, Prof. Dr. Norbert Lammert und wird gefördert durch den Deutschen Bundestag, das Bundesfamilienministerium und die Bundeszentrale für politische
Bildung.