Sebastian Steineke.   Ihr Bundestagsabgeordneter für Nordwest-Brandenburg
13.09.2017, 08:40 Uhr | Ruppiner Anzeiger 13.9.2017

Einigkeit in Sachen Prignitz-Express
Direktkandidaten aus dem Landkreis sprachen am Montag im Neuruppiner Stadtgarten über die Infrastruktur in Ostprignitz-Ruppin

Neuruppin (rue) Es sei „wirklich ein Drama“, sagte die Linken-Abgeordnete
Kirsten Tackmann am Montagabend auf dem Podium im Neuruppiner Stadtgarten über den RE 6. Sie war ebenso wie Dagmar Ziegler (SPD), Martin
Wandrey (Grüne), Sebastian Steineke (CDU), Prof. Volkmar Richter (FDP, in Vertretung für Andreas Hoffmann) und Michael Nehls (AfD) der Einladung der
Wirtschaftsjunioren OPR gefolgt und stellten sich den Fragen der Moderatoren Kathrin Gottwald und Andreas Vogel. So sehr die Meinungen zu Themen wie Rente, Schulsystem und Erneuerbaren Energien auseinander gingen: Beim Thema Prignitz-Express waren sich alle einig: So wie jetzt kann es nicht
weitergehen. Dagmar Ziegler sprach sich dafür aus, den Bahnverkehr als „Rückgrat der ländlichen Mobilität“ mit mehr Weitsicht zu planen. „Bahnfahren
muss sich lohnen“, forderte Michael Nehls. Er ist für mehr Haltepunkte, eine bessere Taktung und die Inbetriebnahme der Strecke Velten – Hohen Neuendorf. Sebastian Steineke wiederum möchte sich dafür einsetzen, dass die Länder in Sachen Prignitz- Express „nicht an uns vorbei entscheiden“. Dagmar Ziegler forderte einen parteiübergreifenden Einsatz für den RE 6. „Eine Region lebt und stirbt mit der Infrastruktur“, sagte sie. Während Martin Wandrey mehr Geld für den Bahnverkehr versprach und Ausweichstellen auf der eingleisigen Strecke schaffen will, forderte Volkmar Richter ein durchdachtes Verkehrskonzept – von Fachleuten, nicht von Politikern.
Thema war auch der geplante Ausbau der A 24. Gefragt wurden die Kandidaten zu ihrer Meinung, ob die Autobahn durch die öffentliche Hand oder mit Hilfe privater Investoren zu entwickeln sei. Entschieden gegen
solche öffentlich-privaten Partnerschaften (ÖPP) sprachen sich die Vertreter von Linken, AfD und Grüne aus. „Inakzeptabel“ nannte Kirsten Tackmann diese Art von Projekten. Sie bezog klar Position gegen die Privatisierung von Autobahnen. „Der Staat ist nicht immer der bessere Bauherr“, meinte wiederum Sebastian Steineke mit Blick auf den BER. Er erteilte den ÖPP im
Bereich der Autobahn keine generelle Absage, sondern sprach
sich dafür aus, diese sinnvoll einzusetzen und die diversen Modelle zu prüfen – auch, was die Maut betrifft. Volkmar Richter sprach sich dafür aus, bei solchen Projekten wie der A 24 die Gesamtkosten statt kurzfristiger Effekte zu betrachten. Denn wenn ein Investor Geld vorstrecke, sei das eine verdeckte Kreditaufnahme, sagte er. Auf die Frage, was die Kandidaten zuerst tun würden, wenn sie Bundeskanzler würden, antwortete AfD-Mann Nehls mit
einem entschiedenen „Grenzen dicht“. Ziegler und Richter sprachen sich für ein Bekenntnis zur EU aus. Steineke würde den ländlichen Raum mehr unterstützen, Wandrey hingegen ein Klimaschutzgesetz einführen. „Rüstungsexporte stoppen“ wäre die erste Handlung von Kirsten Tackmann.
Abschließend nach ihren Schätzungen befragt, wie viel Prozent der Wählerstimmen ihre Partei am 24. September wohl erhalten werde, schätzten die Vertreter von Grüne, Linke und FDP jeweils knapp über zehn Prozent.
Sebastian Steineke prognostizierte der CDU 37 Prozent plus x, SPD-Kandidatin Ziegler schätzte 28 Prozent für ihre Partei. Michael Nehls indes verließ sich auf Umfragen am Stammtisch: 30 bis 35 Prozent lautete seine Antwort. „Damit wären wir bei 135 Prozent“, schloss Moderatorin Kathrin Gottwald die Talkrunde ab.