Herzsprung. Die Bodenpreise, der Wolf, Kappung und Degression,
Massentierhaltung und Regionalität – Diskussionsthemen gab es am
Donnerstag beim Agrarpolitischen Forum in Herzsprung reichlich. Der Kreisbauernverband Ostprignitz-Ruppin hatte vier zur Wahl stehende Bundestagskandidaten eingeladen, um herauszufinden, wie sie zur Landwirtschaft stehen und wie sie zu handeln gedenken, wenn sie gewählt werden sollten. Kirsten Tackmann (Linke), Dagmar Ziegler (SPD), Sebastian Steineke (CDU) und Martin Wandrey (Grüne) standen dem früheren Agrar-Journalisten Dietrich Holler und den 80 Landwirten Rede und Antwort. Wer sich noch nicht so recht klar darüber war, welcher Kandidat und welche Partei das Vertrauen verdient, künftig auch die bäuerliche Zukunft mitzugestalten, der konnte an diesem Nachmittag noch einmal seine Vorsätze überdenken.
Die Landwirte waren an diesem Tag ausnahmsweise einmal in der besseren Position, sie brauchten nur zuzuhören und sich nicht zu rechtfertigen. Es hatte eher den Anschein, dass ihre Verbündeten im Präsidium saßen. Die Bundestagskandidaten gaben sich alle Mühe, als Interessenvertreter der Landwirtschaft in Erscheinung zu treten, obwohl es ihnen Dietrich Holler nicht immer ganz leicht machte. Muss die EU-Agrarpolitik reformiert werden und wie soll die Förderung der heimischen Produktion aussehen? Wie soll sich die Landwirtschaft weiter entwickeln? Funktioniert das auch mit weniger Tieren
und was sagt uns eigentlich der Begriff Massentierhaltung? Während
Dietrich Holler eine ganz schlichte Definition parat hatte – „Massentierhaltung
ist die Tierhaltung, die man braucht um die Massen zu ernähren“ – wollte Martin Wandrey keine Definition liefern. „Der Begriff der Massentierhaltung taucht bei uns nicht auf“, sagt Kirsten Tackmann. Wir wollen Qualität und
nicht Masse“, sagte Dagmar Ziegler. Sven Deter, Vorsitzender des
Kreisbauernverbands Ostprignitz-Ruppin reagierte prompt: „Wir haben
kein Qualitätsproblem, sondern ein Anerkennungsproblem.“
Die Landwirtschaft und vor allem die Tierhaltung sind Themen, die auch im Bundestagswahlkampf für Diskussionen sorgen. Die Bauern brauchen Verbündete, sie wollen sich nicht ständig rechtfertigen müssen und als Tierquäler und Umweltverschmutzer dastehen. Zweifellos gibt es auch in ihrem Berufsstand – wie überall – schwarze Schafe, dennoch wollen die Menschen etwas auf dem Tisch haben. „Unser Bild hängt total schief“, sagt Landwirt Hannes Deter von der Lentzker Agrargenossenschaft. „Für viele
Menschen sind wir nur noch Umweltverpester und Fördergeldeintreiber.
Dabei gibt es in unseren Ställen schon seit 43 Jahren keine Anbindehaltung mehr.“ Einig waren sich alle Politiker darüber, dass die regionale Lebensmittelproduktion gefördert werden soll. Doch wie funktioniert das und
was ist eigentlich Regionalität? Die Definition fällt den Kandidaten schwer. Auf die an das Publikum gerichtete Frage des Moderators – „Wer von Ihnen kauft mehr als 30 Prozent regional?“ – meldet sich niemand. Allerdings gehen viele
Hände in die Höhe auf die Frage: „Wer würde mehr regional kaufen, wenn er könnte?“ Nicht nur Dagmar Ziegler spricht sich für eine bessere Infrastruktur im ländlichen Brandenburg aus, auch Kirsten Tackmann wünscht sich bessere Strukturen in Handel und Verarbeitung. Für Sven Deter gibt es da noch viele
Hürden. „Wie soll das gehen, wenn die Schlachthöfe abgerissen werden
und die Wertschöpfung in den westlichen Bundesländern stattfindet?“ Der Wulkower Rinderzüchter kritisiert die zunehmende Bürokratie hinsichtlich der Umweltschutzregeln. Daran scheitern viele Betriebe, die sich keine zusätzlichen Mitarbeiter leisten können. Für die Grünen bleibt die Förderung der Ökobauern ein wichtiges Ziel. Ob der Veggie-Day eine Chance bekommt,
bleibt abzuwarten. Der Kreisbauernverband spendierte für Landwirte und Politiker im Anschluss eine Bockwurst.