Neuruppin. „Wie lange müssen sie auf ein spezielles Pflegebett warten?“
Karl-Josef Laumann, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium,
glaubte am Dienstagabend, sich verhört zu haben. „Bis zu drei Wochen“, wiederholte Monika Förster, Chefin des ambulanten „Pflegedienstes mit Gefühl“ aus Barenthin (Gemeinde Gumtow). So lange Wartezeiten will
Laumann nicht hinnehmen. Denn wenn das Bett nicht höhenverstellbar ist, bedeutet das nicht nur für die Angehörigen von Pflegebedürftigen viel Kraft und zusätzliche Arbeit, sondern auch für die Mitarbeiter des Pflegedienstes.
Laumann, der bei einem Forum der CDU in den Ruppiner Kliniken über die Zukunft der Pflege sprach, glaubt, den Grund für die Wartezeiten zu kennen. Denn der Pflegedienst darf Hilfsmittel, wie spezielle Matratzen oder Betten
für Pflegebedürftige, nicht selbst bestellen. Vielmehr müssen diese erst von einem Arzt verschrieben und von der Pflegeversicherung abgesegnet
werden. „Das ist doch irre“, sagte Laumann, der seit Dezember 2013 Bevollmächtigter des Bundes für Patienten und Pflege ist. Der CDU-Politiker setzt deshalb auf weitere Reformen bei der Pflegeversicherung. Diese steht vor gewaltigen Herausforderungen. Zwar gibt es derzeit 1,2 Millionen Pflegekräfte in Deutschland, von denen 700 000 in Seniorenheimen und 500 000 in Krankenhäusern arbeiten. Doch diese reichen bei Weitem nicht aus, weil die Leute immer älter werden und weniger Junge als bisher
nachwachsen. „Wir brauchen jährlich 20 000 neue Pflegefachkräfte in Deutschland“, betonte Karl-Josef Laumann. Zudem müsse sich die häusliche Pflege stabilisieren. „Ohne diese bräuchten wir schon heute eine Million Pflegekräfte mehr.“ Zwar könnten Pfleger aus dem Ausland die Situation
lindern, aber nicht das Problem lösen, so Laumann. Dazu müsse die Pflege einen höheren Stellenwert als jetzt erhalten. Dazu gehöre neben einer besseren Bezahlung auch die Entscheidung, wann ein Pflegebedürftiger eine neue Matratze oder ein spezielles Bett benötigt. „Der letzte Lebensabschnitt der Menschen ist keine tolle Lebensphase. Das ist Leid.“ Ziel müsse deshalb sein, die Pflege für die Klienten „mit Achtung und Würde
zu gestalten“. Dazu brauchen die Pflegekräfte jedoch Zeit – Zeit, die sie derzeit nicht haben. Sie müssen innerhalb weniger Minuten Pflegebedürftige
ausziehen, waschen, kämmen. Gespräche untereinander sind bei der
sogenannten „Minutenpflege“ nicht vorgesehen. „Das ist falsches Denken“, sagte Laumann. Der gelernte Maschinenschlosser plädiert dafür, dass der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) die Pflegebedürftigen danach beurteilt, wie selbstständig sie ihren Tag noch selbst gestalten
können und dementsprechend die Pflegeleistungen honoriert. Laumann
rechnet damit, dass dies die Lage in den stationären Einrichtungen
entschärfen wird. Zudem soll der MDK bei den Anträgen auf Pflegegeld auch gleich prüfen, ob ein Reha-Bedarf besteht. Denn je länger Senioren fit sind, desto geringer ist der Pflegebedarf. Die von Laumann vorangetriebenen Reformen kosten vermutlich drei Milliarden Euro. „Auch Demenzkranke
kommen dadurch besser weg“, meint er.
Gleichwohl gibt es Kritik an den Plänen. Denn das neue Gesetz zu den Pflegeberufen sieht auch vor, dass bei der Ausbildung die Zahl der Praxisstunden von 2000 auf 1000 reduziert und die Lehre von Alten- und Krankenpflegern zusammengelegt wird. Florian Duwe, Regionalleiter der Marseille-Kliniken von Berlin-Brandenburg, sieht das kritisch: Duwe befürchtet, dass dann viele Altenpfleger aus den Pflegeheimen in die Krankenhäuser
wechseln, weil die Arbeit dort häufig als besser bezahlt gilt.