Hilferuf aus Rhinow: Dörfer auf dem digitalen Abstellgleis

Das Mobilfunknetz im Ländchen Rhinow hat zum Teil große Löcher, daran wird sich auch nach einer Anfrage im Landtag so schnell nichts ändern

Amt Rhinow. Wenn der Bürgermeister von Kleßen-Görne mit dem Handy
telefonieren möchte, muss er erst einmal auf den Hof gehen oder sich ein anderes günstiges Plätzchen suchen. Oft kommt aber überhaupt keine Verbindung zustande. Wie Joachim Tessenow geht es allen Einwohnern und Besuchern, die in Kleßen-Görne mobil telefonieren möchten. Welchen Mobilfunkanbieter sie nutzen, spielt keine Rolle. Die Gemeinde und die umliegenden Ortschaften werden vom Mobilfunknetz nicht erfasst. Kleßen-Görne liegt im Funkloch. Auch in anderen Dörfern es Amtes Rhinow gibt es Lücken im Netz. Allerdings ist Kleßen-Görne mit Umgebung der gravierendste
Fall. Verärgert ist darüber auch Joachim Tessenow. Er hatte bereits im Sommer bei einer Sitzung des Amtsausschusses gefordert, dass sich die Amtsverwaltung des Themas annehmen solle. „Wir müssen das Problem lösen“, so Tessenow. „So, wie es jetzt ist, wirkt es sich nachteilig auf die Region aus.“ Immer mehr Einwohner, insbesondere aber Handwerker und Geschäftsleute seien darauf angewiesen, mobil telefonieren zu können. Ein sicher verfügbares Mobilfunknetz sei, so Tessenow, Teil einer
„funktionierenden Infrastruktur in einer Region, die auch den Tourismus weiter entwickeln möchte“. Das finden auch die Landtagsabgeordneten Dierk Homeyer und Dieter Dombrowski (beide CDU). Zusammen mit dem für die Region zuständigen Bundestagsabgeordneten Sebastian Steineke (CDU) hatten sie eine Anfrage an die Landesregierung gestellt, mit dem Ziel Abhilfe
zu schaffen. Von der Antwort der Landesregierung sind Homeyer und Steineke
enttäuscht. „Sogar in Notfallsituationen gibt es keine Möglichkeit, Hilfe per Mobiltelefon zu rufen“, kritisiert Steineke. „Die Landesregierung schiebt jegliche Verantwortung von sich und verweist in seiner Antwort auf die Mobilfunkbetreiber.“ Anders sehe das in Bayern aus, wo die Landesregierung bereit sei, Lösungen zu suchen.

Gemeint ist ein Beschlussvorschlag aus Bayern an die Bundesnetzagentur, den Providern bei der Vergabe neuer Frequenzen die Auflage zu erteilen, die Netzabdeckung auf nahezu 100 Prozent zu setzen. „Hier macht sich das Land einen schlanken Fuß und wartet ab, was andere machen. Das ist absolut inakzeptabel und den Menschen nicht mehr zu vermitteln.“ Homeyer verweist darauf, dass der Fall Kleßen-Görne exemplarisch sei für viele Regionen im Land Brandenburg. „Die Bürgerinnen und Bürger auf dem Land fühlen sich abgehängt. Den dreistelligen Millionenbetrag, den das Land in eine überflüssige Kreisgebietsreform stecken will, sollte die Landesregierung vielmehr in die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum investieren.“ Amtsdirektor Jens Aasmann
(SPD) hat Verständnis für die Mobilfunksorgen in der Gemeinde. Seit vier Jahren bemüht er sich mit seiner Verwaltung um eine Lösung. Bisher ohne Erfolg. Alle Mobilfunkanbieter wurden angeschrieben. Viele lehnten ab, über ein engmaschigeres Netz zu reden, einige meldeten sich überhaupt nicht zurück.
Aus der Anfrage an die Landesregierung geht hervor, dass die Region um Kleßen-Görne für eine Investition zum Ausbau des Mobilfunknetzes zu dünn besiedelt sei – so begründen die Mobilfunkunternehmen ihre Ablehnung. 2014
keimte zeitweilig Hoffnungen. Ein Mobilfunkanbieter hatte im Vorfeld der Bundesgartenschau im Havelland angekündigt, eine Lösung zu prüfen. Nach der Prüfung passierte nichts mehr weiter. Die Telekom hatte der Landesregierung noch einmal mitgeteilt, dass „nahezu überall eine Grundversorgung existiert“. Insgesamt sei aber, so die Telekom, „die Mobilfunksituation im Amt Rhinow verbesserungswürdig“. Die Verwaltung werde sich weiter um eine Lösung bemühen, versichert Jens Aasmann. Ob er von der Landesregierung Hilfe erwarten kann, sei dahingestellt. In den vergangenen zwei Jahren gab es keine konkreten Überlegungen, die Situation
zu verbessern, da die Unternehmen, die Mobilfunk anbieten, Maßnahmen für das Amt Rhinow unternommen, da für eventuelle Maßnahmen die Provider zuständig sind. Mit denen habe es Gespräche gegeben, um die Netzqualität zu
verbessern, heißt es in der Antwort an Homeyer und Dombrowski. Bleibt die Hoffnung, dass der Vorschlag aus Bayern fruchtet. Das unterstütze die Landesregierung auch, heißt es aus Potsdam. Eine letzte Lösung könnte sich mit dem Ausbau der Breitbandverbindungen anbieten. Vorerst wird Joachim Tessenow vorerst nichts anderes bleiben, als weiter auf dem Hof hinterm Haus
eine Ecke zu finden, von der man mit dem Mobiltelefon die Außenwelt erreicht.

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