Neuruppin wirbt für seine Kultur

Kulturministerin Monika Grütters besuchte das Museum und die Sankt-Georg-Kapelle

Neuruppin. Neuruppin hat viele Baustellen und wenig Geld. Zu den zahlreichen ambitionierten Vorhaben gehören auch die Sanierung der Sankt-Georg-Kapelle und das Fontanejahr 2019. Die Werbetrommel für die Fontanestadt zu rühren und Bund und Land für die Belange Neuruppins zu interessieren – dafür setzt sich der Bundestagsabgeordnete Sebastian
Steineke (CDU) gern ein. Auf seine Einladung hin kam am Sonnabend die Kultur-Staatsministerin Monika Grütters für eine zweistündige Stippvisite nach Neuruppin. Mit dabei waren auch Neuruppins Bürgermeister Jens-
Peter Golde, Kulturmanager Mario Zetzsche, Museumsleiter Hansjörg
Albrecht, der Projekt-Koordinator des Fontanejahres 2019 Hajo Cornel, Hannelore Gussmann vom Kulturausschuss sowie Christine Dabitz und das Ehepaar Götz vom Stiftungsverein der Sankt-Georg-Kapelle. „Wir möchten zeigen, was sich in den vergangenen 25 Jahren in Neuruppin getan hat“, sagte Steineke an die Ministerin gewandt. Erste Station war die Besichtigung
des Heimatmuseums – eine der großen Investitionen der Stadt. „Von Ministerin Johanna Wanka angeschoben“, beschreibt es der Parteikollege
von Grütters. „Es gab viele Widerstände.“ „Warum?“, hakt Grütters nach. Steineke verweist auf die hohen Kosten – auch aufgrund der Auflagen des Denkmalschutzes. Die Hartnäckigkeit der Denkmalschützer sei wichtig,
macht Grütters klar. „Sonst bräuchten wir sie nicht.“ Allerdings solle Denkmalschutz dem Zweck dienen und nicht stattdessen Projekte verhindern. Die Kulturministerin zeigte sich angetan von ihrem Museumsbesuch, lobte und fragte interessiert nach, etwa beim Besuch der Museumsdruckerei, wo gerade eine interne Schulung stattfand. „Wir wollen hier bald Workshops anbieten“, so der Museumsleiter. Museumspädagogik
habe einen hohen Stellenwert im Hause.

Den Wiederaufbau der alten Stadtstrukturen um Tempelgarten, Altes Gymnasium, Stadtmauer und Museum habe Neuruppin dank einer „tollen Kombination an Fördermitteln“ gestemmt – sieben Millionen Euro wurden investiert, zehn Prozent davon habe die Stadt getragen, berichtet Bürgermeister Golde der Ministerin. Das habe sich gelohnt: Seit die städtische Bibliothek ihren Sitz wieder im Alten Gymnasium hat, habe sich die Besucherzahl verdoppelt. Gleiches gelte für das sanierte Museum,
bekräftigt Albrecht. Gleichzeitig warben Zetzsche und Golde um Bundesmittel für das kommende Fontane-Jubiläum. Neben den geplanten zahlreichen Veranstaltungen sei im Museum eine Sonderausstellung zum Thema geplant. Das gesamte Fest solle nach Wunsch der Organisatoren vom
30. März 2019 bis zum 30. Dezember, dem Geburtstag Fontanes, dauern. „Neun Monate haben sich als pränatale Phase gut bewährt“, scherzte Zetzsche. „Wir haben bei der Bundeskulturstiftung einen Titel für Sonderausstellungen und Jubiläen, der ab diesem Jahr dauerhaft fünf Millionen Euro mehr abwirft“, macht Grütters für das Vorhaben Mut. „Sie sollten darauf zurückgreifen – dafür sind diese Mittel da.“ Immerhin gebe
Deutschland im Jahr 9,3 Millionen Euro für Kultur aus. Dass 44 Prozent davon von den Kommunen kommen, dafür zollt die Ministerin ihren Respekt.
„Kultur ist keine Dekoration, die man sich in guten Zeiten leistet“, wirbt sie für weiteres Engagement. Bevor die Ministerin nach dem Eintrag ins Gästebuch und das Goldene Buch der Stadt zur nächsten Station, der Sankt-Georg-Kapelle fährt, rollt Mario Zetzsche deren kaputte Glocke herein, deren
Sanierung als nächstes ansteht. In den vergangenen Monaten ist viel
passiert um die Kapelle, dank des Engagements des Stiftungsvereins und vieler Neuruppiner. Im Sommer wurden 100 000 Euro Bundesmittel für die weitere Sanierung zugesagt. „Mit dem Wermutstropfen, dass wir dieselbe
Summe auch noch aufbringen müssen“, sagt Christine Dabitz vom Verein. „Das Denkmalschutzprogramm funktioniert prinzipiell nur mit Komplementärfinanzierung“, so die Ministerin. „Aus dieser Pflicht können wir Sie nicht entlassen.“ „Wir kämpfen ja schon acht Jahre“, sagt Karl-Heinz Götz
und lobt die Spendenbereitschaft der Neuruppiner und die lokalen Handwerker: „Die arbeiten billiger für uns.“ Er sei froh, dass der Verein dank der Bundesmittel die Finanzierung nicht allein stemmen muss. Der alte Ringanker, der das Gebäude in Schieflage brachte, wird jetzt von sechs Stützen ersetzt, auf denen das noch zu sanierende Dach liegt. Immerhin seien die zuerst veranschlagten Kosten von einer Million Euro auf ein Viertel geschrumpft, so Architekt Norbert Bünger, der bei der Besichtigung der Kapelle dabei ist. „Was fehlt Ihnen denn noch?“, will Monika Grütters wissen. Etwa 40 000 Euro, sagt Christine Dabitz. Die Ministerin verweist auf ein Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes und sagt, Anträge von
Bundestagsabgeordneten würden „dabei bevorzugt behandelt“.

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