Das Jobcenter muss warten

Kreistag verweigert Geld für Umbau des einstigen Sitzes des Katasteramtes

Kyritz – Die 42 Mitarbeiter des Jobcenters in Kyritz können vorerst nicht in den einstigen Sitz des Katasteramtes in der Knatterstadt umziehen. Grund: Der Kreistag hat es am Donnerstagabend in Neuruppin abgelehnt, das Geld für die notwendigen Umbauarbeiten im ehemaligen Katasteramt freizugeben. Denn die Kosten dafür liegen bei knapp 500 000 Euro. Die Abgeordneten waren nicht allein über die Höhe der Umbaukosten entsetzt, sondern vielmehr
darüber, dass sie davon erst am Abend vor der Kreistagssitzung per Mail erfahren haben. „Das ist völlig unverständlich“, sagte Ralph Bormann, Chef der bunten Fraktion aus Bauern, Freien Wählern und FDP. „Der Umzug ist doch
nichts Neues“, stimmte Sebastian Steineke (CDU) in die Kritik ein. „Warum hat der Kreis nicht vorher prüfen lassen, was der Umbau kostet?“, fragte Bormann. Der Umzug des Katasteramtes von Kyritz nach Neuruppin sei erst
im Oktober abgeschlossen worden, sagte Landrat Ralf Reinhardt (parteilos). Er selbst habe erst Anfang der Woche von den Kosten erfahren, entschuldigte sich Reinhardt. Daraufhin seien zwar das Objekt und die Umbauarbeiten
nochmals geprüft worden. Geringere Umbaukosten seien jedoch nicht möglich.

„Das ist keine Luxussanierung. Wir brauchen aber für die persönlichen Berater Einzelzimmer“, betonte Sozialdezernentin Waltraud Kuhne. Dazu müssten unter anderem zwei Großraumbüros umgebaut werden. Hinzu kommt, dass nicht allein das Jobcenter aus der ehemaligen Poliklinik ausziehen muss, weil die Ruppiner Kliniken die Räume dort benötigen. Umziehen müssen ebenfalls die Außenstellen des Sozial- und des Gesundheitsamtes des Kreises. Laut Reinhardt hatte sich der Kreis wegen der hohen Umbaukosten im einstigen Katasteramt nach anderen geeigneten Mietobjekten in Kyritz umgesehen. „Es gibt dort aber keine ausreichend großen Gebäudekomplexe, die wir mieten
könnten.“ Reinhardt warb deshalb vehement für die Freigabe des Geldes. Schließlich entfallen mit dem Umzug auch die jährlichen Mietkosten in der einstigen Poliklinik von knapp 96 000 Euro. „Die Art und Weise, wie mit uns
umgegangen wird, ist eine absolute Zumutung, aber die Investition ist notwendig“, sagte Franz- Josef Conraths (Bündnisgrüne). Diese Sicht fand aber keine Mehrheit: Das Gros der Politiker verweigerte die Zustimmung. Eine deutliche Mehrheit gab es indes für eine andere außerplanmäßige Ausgabe, von der die Abgeordneten ebenfalls erst am Abend zuvor erfahren hatten. Sie bewilligten 240 000 Euro, damit das Verwaltungsgebäude in der Neustädter Straße in Neuruppin saniert werden kann. Dort hatte es im Keller einen Wasserschaden gegeben, weshalb ein Teil der Akten derzeit in alten Garagen gelagert wird. Dezernentin Kuhne war konsterniert: „Für die Akten gibt es Geld, aber nicht für die Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind.“

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