Ein Funkloch kommt selten allein

An 1809 gemeldeten Stellen im Landkreis Ostprignitz-Ruppin gibt es keinen ordentlichen Handyempfang

Ostprignitz-Ruppin (RA) Geografische Versorgungslücken werden gern als „weiße Flecken“ bezeichnet. Auf der am Mittwoch veröffentlichten Funklochkarte der CDU sind sie tiefrot. Auffällig: Vor allem touristische Gegenden wie der Kern der Ruppiner Schweiz, die Rheinsberger Seenplatte und die Kyritzer Seenkette sind großflächig in die Signalfarbe getaucht. Der mangelhafte Handyempfang kann zum Bumerang für die Fremdenverkehrsregion werden, findet der Chef des Tourismusverbands
Ruppiner Seenland, Peter Krause: „Gerade, wenn man die junge Generation und nicht nur die 50-plus erreichen will, ist flächendeckender Empfang
unabdingbar“, sagte er am Donnerstag. Vor allem wenn er sehe, dass sogar auf Bundesautobahnen der Empfang abbricht, sei das in unserer heutigen Zeit ein Armutszeugnis. „Klar sucht der Tourist bei uns Erholung, wir bewerben
unsere Region auch als ‚Auszeit-Nehmen‘“, so Krause. „Aber er muss auch selbst entscheiden können, wann er aufs Handy schaut oder nicht.“ Breite Strecken ohne Funkempfang könnten Radtouristen frustrieren, die mit dem Smartphone auf Spontan-Suche nach der richtigen Unterkunft sind. „Da ist die Politik sicherlich gefordert“, so Krause. So sieht es auch der Ruppiner
Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke (CDU): Eine Region könne nur Attraktivität ausstrahlen, wenn sie einen stabilen und zuverlässigen Funkempfang bietet. Das gelte nicht nur für Besucher, sondern auch für heutige und potenziell neue Einwohner. Ihn ärgert, dass erst die brandenburgische Oppositionspartei eine Auswertung der offenbar erschreckenden Funkloch-Lage in die Wege geleitet hat. Der Ausbau von Breitbandverbindungen – die kabelgebundene Variante der digitalen Kommmunikationswege – habe zwar der Bund ermöglicht (RA berichtete). Und auch das Stopfen der Funklöcher wird wohl nicht ohne Bundesmittel
machbar sein. „Aber zuerst muss das Land tätig werden – indem es ermittelt, wo die Funklöcher sind und was eine bessere Versorgung zusätzlich kosten würde“, sagt Steineke.

Tatsächlich gilt es – wie beim Breitbandausbau – sogenannte
Wirtschaftlichkeitslücken zu schließen. Die entstehen, wenn dünn besiedelte Regionen von Netzbetreibern gemieden werden, weil Investitionen in die
Hand genommen werden müssen, die wegen zu weniger Nutzer nicht wieder eingenommen werden. Dabei hat die Bundesnetzagentur die drei großen
Kommunikationsdienstleister darauf verpflichtet, nach Ersteigerung von digitalen Funklizenzen mindestens 97 Prozent aller Haushalte an kabelloseKommunikationsnetzwerke anzubinden. Die Sprecherin des Landes-Wirtschaftsministeriums, Claudia Lippert, betont daher, dass der Ball des Funkloch-Stopfens eben bei der Bundesagentur und den Netzbetreibern liege: „Dass wir tatenlos waren, muss ich deshalb zurückweisen.“ Das Land könne den Ausbau des Kommunikationsnetzes nur begleiten: zum Beispiel dadurch, dass landeseigene Polizeifunkmasten auf Nachfrage der Netzbetreiber zur Verfügung gestellt werden. Erschwerend kommt laut Lippert eine Regelung der Europäischen Union hinzu. Richtlinien zur Förderung des Stopfens von Handy-Funklöchern – anders als beim Breitband-Ausbau – fehlen bislang. So wird es sich Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zusammen mit seinem baden-württembergischen Amtskollegen Winfried Kretschmann (B’90/Grüne) zur Aufgabe machen, bei der aktuellen Landesregierungschef-Konferenz im Saarland das Thema auf die Tagesordnung zu setzen – und auch Forderungen aufzustellen: Ein entsprechendes Schreiben, die EU-Vorgaben zu ändern, soll aus der Konferenz heraus an den Bund gerichtet werden, sagt Lippert. Ihr Ministerium setzt auch auf einen Gipfel am 7. November: Dann trifft sich Ressortchef Albrecht Gerber (SPD) mit Spitzenvertretern der drei großen Funknetzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland.
Ostprignitz-Ruppin ist einer der Kreise, die die meisten Funkloch-Aufrufe zu verzeichnen hatten. Insgesamt wurden 1 809 Stellen in OPR gemeldet, in
denen Funkstille auf dem Handy herrschte. Bezogen auf die Einwohnerzahl
scheint es hierzulande sogar schlechter bestellt zu sein als anderswo. Landesweit waren bis Donnerstag 23 237 Funkloch-Stellen übermittelt worden – bezogen auf 1 000 Einwohner also neun Meldungen. In Ostprignitz-Ruppin waren es mit 18 Meldungen pro Tausendschaft doppelt so viele.

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