Ruppiner Ehrenamtsforum: Nachwuchs dringend gesucht

CDU Kreistagsfraktion lud nach Neuruppin ein

Das Podium des Ehrenamtsforums
Das Podium des Ehrenamtsforums

Ob Feuerwehr oder Förderverein: Ein Mangel an geeignetem Nachwuchs macht den ehrenamtlich Engagierten im Kreis zunehmend Sorgen. Dieses Fazit zogen alle Teilnehmer des Ruppiner Ehrenamtsforums der CDU-Kreistagsfraktion Ostprignitz-Ruppin, das am 25. Mai in Neuruppin stattfand und auf großes Interesse stieß.
 
Unter der Moderation des Fraktionsvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Sebastian Steineke  diskutierten auf dem Podium: Dr. Jan Redmann MdL (CDU-Kreisvorsitzender), Herbert Brandt (Weißer Ring e. V.), Gabriele Lettow (Förderverein Siechenhauskapelle e. V.), Sven Scheer und Jennifer Dürkoop (Freiwillige Feuerwehr Wittstock) sowie Karin Syring (Kreissportbund/Rheinsberger SV).  Die Feuerwehr Wittstock wirbt in Schulen und Kitas sowie mit einer „Kinderfeuerwehr“ um Nachwuchs für den aktiven Dienst. „Dadurch haben wir zwar Kinder, aber nicht die Masse, die wir bräuchten“, beklagt Sven Scheer. 

Kreisbrandmeister Wolfgang Hohenwald, der im Publikum saß, brachte es auf den Punkt: „Wenn der Trend so weiter geht, haben wir in zehn Jahren keine funktionierende Wehr mehr.“ Der Kreisfeuerwehrverband hat in den vergangenen zehn Jahren rund 1000 Aktive Mitglieder verloren. Die Vereinbarung zwischen Ehrenamt und Beruf ist für viele Sportvereine ein Problem, die Wert auf lizensierte Übungsleiter legen. „Die Aus- und Weiterbildung ist sehr wichtig“, erklärte Karin Syring. Aber ein Grundlehrgang mit 120 Übungsstunden sei ein „dicker Brocken“, für den Arbeitgeber nicht immer Bildungsurlaub gewähren. Die vom Bund eingeführte Übungsleiterpauschale, die als steuerfreier Betrag Ehrenamtlern zugutekommen soll, könnten mitgliederschwache Vereine nicht aufbringen. „Ich kenne keinen Verein, der das bezahlen kann“, bekräftigte Thomas Krieglstein, Geschäftsführer des Kreissportbundes.

 
Auch bei Kunst und Kultur „geht es immer nur um die Finanzen“, sagte Gabriele Lettow, Veranstalterin der Aequinox-Musiktage in Neuruppin. Eine Förderung scheitere oft an den Fristen, so dass die ehrenamtliche Arbeit mit einem erheblichen finanziellen Risiko verbunden sei. Wenn es Geld gibt, dann oftmals erst ein halbes Jahr nach der Veranstaltung – ein großes Problem für gemeinnützige Vereine, die dadurch in Vorleistung gehen müssen. 
 
Als Urgestein kennt Herbert Brandt die Herausforderungen der Zukunft nur allzu gut. Der Leiter des Weißen Rings im Landkreis feiert 2017 60 Jahre Ehrenamt. Mit 74 Jahren ist er auf der Suche nach einem Nachfolger, muss aber zugeben, dass „nicht jeder ehrenamtlicher Mitarbeiter werden kann“. Die Opferhilfe erfordert besonderen Einsatz, der auch schon mal rund um die Uhr stattfinden kann. Aktuell hat der Verein in Ostprignitz-Ruppin nur 43 Mitglieder, ein paar mehr täten gut. Sebastian Steineke und Jan Redmann, beide auch als Kommunalpolitiker ehrenamtlich tätig, nahmen Denkanstöße mit, wie die Politik bessere Rahmenbedingungen schaffen kann. Weniger Kosten und weniger Bürokratie wurden angeregt. Instrumente des Landes, wie die 2013 eingeführte Ehrenamtskarte, waren nur wenigen bekannt. 2015 wurden in Ostprignitz-Ruppin gerade einmal zwei Karten ausgestellt. Allerdings fehle es auch an geeigneten Partnern vor Ort, die Vergünstigungen gewähren.   
 

Nach oben