Vielfalt statt Einfalt

Rede auf der Montagsdemonstration in Neuruppin

Sebastian Steineke MdB
Sebastian Steineke MdB
Liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Neuruppiner,

lassen Sie mich zunächst einen Dank aussprechen, an die Schülerinnen und Schüler der Evangelischen Schule Neuruppin und den weiteren Initiatoren von „Vielfalt statt Einfalt“. Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen und auf bestimmte Dinge in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen, insbesondere im Hinblick auf die aktuellen Diskussionen und Entwicklungen.
Die Terroranschläge von Paris haben uns alle stark erschüttert. In Gedanken sind wir bei den Angehörigen der Opfer und dem französischen Volk. Wir müssen und werden nun – gerade in Europa - zusammenstehen, um gemeinsam unsere Werte der Freiheit zu verteidigen. Ich möchte an dieser Stelle aber nicht versäumen, nochmal zu betonen, dass dies eine Tat von Terroristen war, die nichts anderes wollen, als unsere Freiheit anzugreifen. Dies war jedoch keinesfalls eine Tat einer gesamten Religionsgemeinschaft. Denn viele der Millionen Muslime in Deutschland und Europa leben als Nachbarn, Kollegen und Freunde friedlich mit uns zusammen. Auch sie verurteilen diese schrecklichen Ereignisse und teilen unser Mitgefühl.

Ich warne daher eindringlich davor, den Schrecken von Paris für andere Parolen zu instrumentalisieren oder gar zu missbrauchen. Umso schändlicher und perfide sind daher die Aussagen der AfD und von Alexander Gauland in den letzten Tagen gewesen.
Auf vielen Ebenen, ob in der Politik oder in der Wirtschaft haben wir es geschafft, dass unser Land auf der ganzen Welt wieder positiv wahrgenommen wird. Dies führt natürlich auch dazu, dass die Menschen gern zu uns kommen. Und das ist auch gut so!
Dies wird dauerhaft allerdings nur so bleiben, wenn wir den Menschen auch eine angemessene Willkommenskultur entgegen bringen und ihnen mit Respekt und Toleranz begegnen. Zu Toleranz, Respekt und Weltoffenheit gehört es auch, einen Dialog und einen Austausch der Kulturen und Lebensweisen untereinander zuzulassen. Leider gibt es in unserem Land Bewegungen und Akteure, die so etwas nicht akzeptieren und insofern auch „falsche“ Ängste schüren. Wir alle sind gegen Kriminalität, gegen Menschenverachtung, gegen Ausgrenzung, wollen Sicherheit und Frieden, hier und auf der ganzen Welt. Wenn das nicht gegeben ist, sind es bestimmte Menschen, die dafür verantwortlich sind, aber keine bestimmten Völker und schon gar nicht bestimmte Religionen. Es gilt das Prinzip der Gleichheit. Und dafür stehe auch ich ganz klar ein. Daher appelliere ich an alle: unterstützen Sie keine pauschale Stimmungsmache oder Angstkampagnen gegen Zuwanderer, andere Länder oder andere Religionen. Dies ist weder mit unserem menschlichen Verständnis noch mit unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung vereinbar.
Erlauben Sie mir einige Worte zum Thema Flüchtlinge aus den aktuellen Bürgerkriegsländern. Wir sind in Deutschland in der glücklichen Lage, in Frieden und Freiheit ohne die ständige Angst um das eigene Leib und Leben zu existieren. Viele andere Menschen auf dieser Welt können dies leider nicht. Sie benötigen Hilfe, unsere Hilfe!
Ein starkes und weltoffenes Land muss seiner Verantwortung gegenüber dem Rest der Welt auch gerecht werden. Wir dürfen nicht wegsehen, wenn Menschen in anderen Ländern absolutes Unheil widerfährt. Wir dürfen sie nicht allein lassen, wenn sie Hilfe benötigen. Und schon gar nicht dürfen wir dabei zusehen, wie sie um Leib und Leben fürchten müssen. Deshalb sage ich ganz klar: wir stehen deutlich in der humanitären Pflicht, uns um die Flüchtlinge aus den Krisengebieten zu kümmern. Im Übrigen sei angemerkt, dass Deutschland – gemessen an seiner Einwohnerzahl – im europäischen Vergleich lediglich einen Mittelfeldplatz bei der Aufnahme von Flüchtlingen einnimmt. Wir
sind eben gar nicht das Land, dass überproportional viele Flüchtlinge aufnimmt, wie es von einigen Gruppen immer dargestellt und propagiert wird.
Es kann auch nicht sein, dass wir bei Führungs- und Fachkräften aus dem Ausland sagen: wir brauchen Euch, aber alle anderen wollen wir nicht. Das geht so nicht. Wir müssen alle Menschen im Blick haben. Dazu gehören in erster Linie auch die Menschen, die auf unsere Hilfe dringend angewiesen sind.
Ich freue mich, dass ich hier heute zu diesem wichtigen Anliegen der Schülerinnen und Schüler der Evangelischen Schule Neuruppin zu Ihnen sprechen durfte. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Nach oben